„Wie schreibt man denn ein ganzes Buch?“, fragte mich eine gute Freundin. Sie gehört zu den Menschen, die bei solch großen Aufgaben ihre liebe Not hat und gerne prokrastiniert, insbesondere wenn noch ein fester Abgabetermin im Raum steht.

Jeder Mensch funktioniert anders, auch bei der eigenen Arbeitsorganisation. Divide et impera ist eher meine Arbeitsweise. Ich unterteile die nötigen Arbeitsschritte und zu bewältigende Teilaufgaben und erledige diese zu den am besten dafür geeigneten Zeiten.

Das eigentliche Schreiben mache ich gerne vormittags, die Recherche aber lieber am Abend. Einen Text überarbeite ich immer erst am nächsten Tag mit einem Morgenkaffee in der Hand.

Wenn ich weiß, dass mein Buch 200.000 Zeichen haben muss, und dieses in vier Monate geschrieben werden soll, plane ich beispielsweise drei Monate für die erste Fassung des Manuskripts ein.

Drei Monate sind etwa 60 Arbeitstage. Das sind dann rund 3.300 Zeichen pro Tag, oder anders gesagt etwa zwei Normseiten mit je 1.800 Anschlägen.

Nun weiß ich aber auch, dass ich bei einem Sachbuch zwischen 1.000 und 15.000 Anschläge pro Tag schreiben kann - je nach Komplexität des Themas. Auch abhängig davon, ob noch Recherche nötig ist, oder nicht. Dies entspricht umgerechnet etwa 150 bis 2.000 Wörter, die ich pro Tag aufs Papier bekomme. Das für die drei Monate angestrebte Arbeitspensum ist also ok für mich.

Spätestens jetzt, wenn ich das jemanden so erzähle, werden bei meinem Gesprächspartner die Augen glasig. So auch in diesem Fall, denn rechnen kann schließlich jeder. Aber wie schreibt man denn ein ganzes Buch?

Es muss einem wichtig sein und Spaß machen. Als Autor hat man Freude beim Schreiben, so wie andere gerne mit Holz arbeiten und dabei die Zeit vergessen. Wenn man in seiner Tätigkeit verloren geht und die Zeit vergisst, wenn die Welt um einen herum egal wird, genau dann schreibt man ein Buch.

Übrigens, die besagte Freundin ist eine Spezialistin fürs Marketing. Sie erklärte mir ein paar Dinge, bei denen ich glasige Augen bekommen habe. Ich glaube, ich werde das Marketing nie verstehen.

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