Redebegleitsätze sind Sätze wie: sagte sie, rief er oder fragte er. Sie begleiten die wörtliche Rede und ihre Aufgabe ist es zu zeigen, wer etwas gesagt hat. Redebegleitsätze mit sagte und fragte sind beim Lesen quasi unsichtbar. Der Leser nimmt die Information zwar unterbewusst auf, aber ansonsten werden sie überlesen.

Allerdings darf man es auch nicht übertreiben: Ein sagte hinter jeder wörtlichen Rede fällt irgendwann doch negativ auf, genauso wie übertrieben angestrengt verwendete Alternativen.

Und dann ist da noch die Regel des „Show, don’t tell(dt.: „Zeigen, nicht erzählen“). Der Erzähler tritt in den Hintergrund und die Szene wird durch Handlung und Dialog beschrieben.

Und wie sieht das nun konkret aus? Der nachfolgende Text, der sich von römisch I bis VII unterteilt, veranschaulicht in den einzelnen Stufen jeweils eine entsprechende Entwicklung.

I
„Das Problem ist doch“, sagte er, „jede Methode einen Dialog zu schreiben kann falsch sein.“
„Aber nur
sagte zu nutzen“, sagte sie, „ist langweilig und eintönig.“
„Ich weiß“, sagte er.
„Aber“, sagte sie, „die Alternativen sind es auch.“

II
„Es scheint zu helfen
sagte mit was anderem zu ersetzen“, stellte er fest.
„Auf dem Weg“, antwortet sie, „bleibt es genauso eintönig und öde.“
„Weil es so aussieht“, bemerkte er, „als ob jemand nur
sagte im Thesaurus nachgeschlagen hat.“
„Das kann noch mehr nerven“, erwiderte sie.

III
„Mit Verben Akzente setzen hilft auch nicht“, sagte er nachdrücklich.
„Wie bei jeder Regel“, sagte sie seufzend, „stolpert man in das gleiche Problem.“
„Man darf es nicht überstrapazieren“, sagte er zustimmend.
„Das hört sich dann auch nicht mehr wie ein natürlicher Dialog an“, sagte sie traurig.

IV
„Natürlich“, sagte er lächelnd, „denn es verstößt gegen die
show, don’t tell Regel.“
„Genau“, sagte sie nickend, „damit handelt man sich das gleiche Problem ein.“
„Ich weiß, ich weiß“, sagte er auf seine Füße schauend, „es hilft ja alles nichts.“

V
„Aber sobald der Leser die Sprecher zuordnen kann“, sagte sie, „kann man den Kram auch weglassen.“
„Stimmt, das kann aber verwirrend werden. Es muss immer klar sein, wer spricht.“
„Richtig. Sonst zerstört es den Lesefluss.“
„Und es funktioniert nicht, wenn es mehr als zwei Sprecher in einem Dialog gibt.“
„Dann ist die ganze Seite voll mit Dialog. Da kann man gleich ein Drehbuch schreiben.“

VI
„Beschreibungen einfügen hilft auch nicht.“ Er war sich sicher in diesem Punkt. Sie konnte an seiner Haltung sehen, wie ernst er es meinte. Und auch sein Ton war streng in der Hinsicht.

Sie führte seine Aussage fort. „Dabei geht der Dialog in den Beschreibungen verloren“, sagte sie. Sie erinnerte sich an viele Bücher, die den gleichen Fehler gemacht hatten. Und sie hatte viele Bücher gelesen. Es gab nichts, was sie mehr liebte als einen bequemen Stuhl, eine Tasse Tee und ein gutes Buch. Beim Lesen fühlte sie sich sicher und geborgen.

Er wusste, was sie meinte. „Aber trotzdem, manchmal ist auch eine Beschreibung wichtig.“ Er schaute sie an, überlegte, wie lange sie sich schon kannten. Mehr als 10 Jahre auf jeden Fall. Waren es nicht schon fast 20 Jahre? Und trotzdem, obwohl sie sich so gut verstanden - sie wussten immer, was der andere dachte - hatte sich nie mehr aus ihrer Freundschaft entwickelt. So gut, wie sie zusammen passten, wäre ihre Beziehung nicht nur wie ein Beispiel für schlechtes Schreiben, sie wäre wie ein gutes Buch. Er seufzte.

VII
„Die Sache mit den Regeln ist die“, sagte er, „sie müssen auch mal gebrochen werden.“ 

„Geht es nicht eigentlich darum, die eigenen Schwächen zu erkennen und sich zu verbessern?“, fragte sie.

Er nickte zustimmend. „Dann wählt man das Beste aus.“

„Genau.“

Sie unterhielten sich darüber, wie alle Stilmittel genutzt werden sollten, dabei waren sie wieder einmal einer Meinung. Dabei betrachtete er ihre Haare, die seidig über die Schulter fielen, wenn sie den Kopf schief legte.

 Er schaute ihr direkt in die Augen. „Wir sind nun schon so lange Freunde und verstehen uns so gut, ich dachte ...“

 „Sorry, ich muss los, bin schon spät dran. Wir sehen uns später“, sagte sie.

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